Eine erste Bilanz

Der erste von zwölf zuckerfreien Monaten ist nun vorüber und es wird Zeit Zwischenbilanz zu ziehen. Dass Zucker unsere Gesundheit gefährden und langfristig gesehen auch großen Schaden anrichten kann steht ausser Frage. Die entscheidende Frage dabei, und das versuche ich im Rahmen des Experiments herauszufinden, bezieht sich auf die vernachlässigbare Menge an Zucker, die wir konsumieren dürfen, um schadenfrei oder besser gesagt mit einem blauen Auge davon zu kommen. Sprich: Sind kleine Mengen an Süßem erlaubt, bleiben diese ohne Folge oder ist auch ein wenig Süßes schon zu viel, da ja in nahezu sämtlichen industriell hergestellten Lebensmitteln Zucker enthalten ist? Denn nach einem Monat ist für mich klar: Auf Süßes zu verzichten heißt noch lange nicht keinen Zucker zu konsumieren. Wer bis jetzt glaubte durch seine disziplinierte Dessertrestriktion kaum Zucker zu essen, der hat sich ordentlich geschnitten! Es sei denn, er/sie verzichtet zusätzlich auf abgepackte Produkte, Saucen, Gewürzmischungen, Suppenwürfel, Joghurts, Dosen, etc. Ist dem nicht so, kann man sich in Zuckersicherheit wiegen. Die Lebensmittelindustrie sorgt schon dafür! Die erste Erkenntnis nach einen Monat lautet ganz klar: Das Leben ist mühsamer und aufwendiger geworden! Der Feind (Zucker) lauert überall. Wissen Sie was beim Versuch auf Zucker zu verzichten am einfachsten ist? Der Verzicht auf Süßes! Jawohl! Auf Süßigkeiten zu verzichten ist eine Leichtigkeit im Vergleich zum Vorhaben allen Zuckerfallen zu entgehen! Wer Inhaltsangaben von Lebensmitteln studieren kann, darf sich in Sicherheit wiegen. Doch wie sieht es in Restaurants, unterwegs oder an der Wursttheke aus? Sind Sie sich ganz sicher, dass da kein Zucker drin ist? Können Sie gar nicht. Hier heißt es vertrauen oder verzichten. Der Verzicht auf so manche kulinarische Feinheiten hat in den letzten Wochen dazu geführt, dass ich 1kg abgenommen habe. Ich denke nicht, dass die Abnahme auf den Verzicht von Süßigkeiten zurückzuführen ist. Wen es nach was Süßem gelüstet kann ja auf Alternativen wie Honig oder Agavendicksaft ausweichen. Und glauben Sie nicht, dass diese beiden im Vergleich zu klassischem Haushaltszucker figurbewusster wären. Die Gewichtsabnahme kam bei mir dadurch zustande, dass ich in manchen Situationen tatsächlich gar nichts 100% zuckerfreies gefunden habe und dann statt einem „unsicheren“ Mittagessen einfach nur Obst gegessen habe. Tatsächlich bleibt einem nämlich aufgrund mangelnden Angebots manchmal nur das Fasten. Was mir in den letzten Wochen negativ aufgefallen ist, ich hatte es in vergangenen Berichten bereits kurz erwähnt, sind Kopfschmerzen unter denen ich normalerweise äusserst selten leide. Diese ungeliebten Kopfschmerzen sind in den letzten Wochen tatsächlich auffällig oft aufgetreten. Doch „Entzugserscheinungen“? Reagiert mein Körper doch auf die Abstinenz? Unterm Strich fühle ich mich aber trotzdem sehr wohl. Ja, ich fühle mich sogar sehr gut. Nicht, weil ich vor lauter Energie Berge versetzen könnte. Ich fühle mich gut, weil ich weiß und mir dessen bewusst bin, dass ich meinem Körper eine Menge „Schadstoff“ erspare. Ich fühle mich gut, weil ich der Lebensmittelindustrie die Stirn biete und Menschen für das Thema Zucker sensibilisiere. Ich freue mich, dass Medien daran Interesse haben und darüber berichten. Ich freue mich, dass Menschen wie DU mitmachen und ihr Leben deswegen gesünder gestalten. Ich bin gespannt auf das was die Zukunft bringt. Ich bin gespannt auf die Runde 2 in einem 12-Runden Kampf. Einem Kampf in dem mein Gegner ein absolutes Schwergewicht darstellt. Mit meinen 74kg nicht gerade meine Gewichtsklasse. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass man mit Ausdauer auch übermächtige Gegner in die Knie zwingen kann. In diesem Sinne nehme ich die Deckung hoch und gehe frohen Mutes und Kampfeswillen in die Runde 2. Ich hoffe ihr seid noch bei mir!?

12 Gedanken zu „Eine erste Bilanz

  1. Hallo Christian! Ich kann jedes einzelne Wort so mitfühlen und sehr gut nachvollziehen. Ich lebe seit 4 Jahren (fast) zuckerfrei (da ich wahnsinnige Schmerzen bekomme, wenn ich diesen Esse)…Und es lässt sich gut leben, auch wenn der Verzicht und die Disziplin manchmal stark gefordert werden. In ein Restaurant essen zu gehen, ist immer schwierig und ab und zu bezahle ich mit starken Bauchschmerzen. Das Kopfweh hatte ich auch ca. einen Monat und war danach komplett weg..wie auch du fühle ich mich insgesamt sehr,sehr gut. Meine Blutwerte sind super! Mach weiterso…

  2. Ich bin (auf jeden Fall noch) dabei! Und voll und ganz überzeugt und begeistert. Aber auch immer wieder aufs Neue überrascht wo sich Zucker und Ersatzstoffe tatsächlich „verstecken“.
    In einem Monat 5kg weniger sprechen wohl für sich. Ich freu mich auf die nächsten 11 Monate und meine Erlebnisse und Erfahrungen damit!😉

  3. „Wissen Sie was beim Versuch auf Zucker zu verzichten am einfachsten ist? Der Verzicht auf Süßes! Jawohl! Auf Süßigkeiten zu verzichten ist eine Leichtigkeit im Vergleich zum Vorhaben allen Zuckerfallen zu entgehen! “

    Dabei ist doch gerade der Verzicht auf Süßigkeiten am schwersten, weil die so lecker sind. Auf Zucker in TK-Pizza oder Fertigsaucen könnte ich dagegen gut verzichten😀

    Was mich immer irritiert sind die Angaben auf den Verpackungen. In der Zutatenliste steht nichts von Zucker (oder Vergleichbares wie „Dextrose“, Stärke etc.), in der Nährstoffliste steht dann z.B.: je 100g Produkt 10g Kohlenhydrate, davon 8,3g Zucker. Ja…was genau ist da mit Zucker gemeint??? Also was für eine Art von Zucker? Natürlicher oder künstlich hinzugefügt? Aber dann müsste er ja bei den Zutaten auftauchen…

    • Wenn keine Art von Zucker in der Inhaltsangabe auftaucht, können wir davon ausgehen, dass diesem Produkt auch kein Zucker extra zugesetzt wurde. „Davon“ Zucker bedeutet, dass es sich hier um Zucker/Kohlenhydrate im klassischen und natürlichen Sinn handelt.

  4. Heute morgen kam anlässlich des Tages des Kaffees heute ein Kaffeeröster zu Wort, der u.a. erzählt hat, dass manche Kaffeesorten nach dem Rösten mit Wasser bzw. Zucker besprüht werden – Wasser um das Gewicht zu erhöhen und Zucker um den bitteren Geschmack abzumildern….
    Hat jemand dazu mehr Information? Kann gar nicht sagen wie empört ich bin.
    Ich verfolge dieses Projekt mit grossem Interesse, versuche selbst aber einfach nur wenig Zucker zu essen.
    herzlich, judith

    • Das wusste ich bis heute auch noch nicht. In vielen Bereichen ist es tatsächlich sehr schwer geworden die Kontrolle zu behalten. Der Lebensmittelmarkt ist teilweise schon undurchschaubar. Beim Hersteller nachfragen wäre eine (mühsame) Lösung. Aus diesem Grund sollten wir alle Lebensmittel meiden, wann immer wir sicher sind, dass Zucker drin ist…

  5. Das ist ein tolles Projekt! Wenn du Menschen dazu bringst über ihre Ernährung nachzudenken, die dann nicht alles in sich reinstopfen was die Lebensmittelindustrie so herstellt, ist das allein schon ein Sieg!

  6. Es ist doch erstaunlich, dass ein Monat so schnell vergeht. Auch das Jahr wird rasch vorüberfliegen.Ich nehme es nicht ganz so streng wie du, aber habe auch auf einige Lebensmittel (Kuchen, Torten etc.) verzichtet und gegen Äpfel, Ingwer, Leinsamen, Joghurt eingetauscht. I feel good!

  7. Kaum zu glauben, das erste Monat ist geschafft! Und ich hoffe wirklich sehr, daß die kommenden Monate auch zu schaffen sind. Kopfschmerzen habe ich zum Glück keine.
    Der Gusto auf Süßes ist aber schon noch vorhanden, trotz Verzicht auf Zucker.
    Einkaufen von zuckerfreien Lebensmitteln ist auf jeden Fall aufwendiger aber auch
    sehr interessant!
    Mein Motto: Verzicht = Gewinn🙂

  8. Das Bewußtsein für die Qualität der Ernährung ist in diesem Monat auf alle Fälle gestiegen – auch in meinem persönlichen Umfeld – und das finde ich super. Danke für den Anstoß dazu! Dass Du im Zweifelsfalle fastest kenne ich gut, das ging mir genauso. Ich glaube bei mir jedoch, daß das Kopfweh an manchen Tagen von einer zu geringen Flüssigkeitszufuhr herrührt, denn manchmal kann ich das „stinknormale“ Leitungswasser nicht mehr sehen…..

  9. Hallo, mir gefällt das Projekt sehr gut! Ich versuche auch weitestgehend Zucker zu vermeiden. Ich esse zwar Früchte, achte aber darauf nicht zu viel davon zu essen. Muskelzellen können keine Fructose aufnehmen und zudem regt Fructose die Triglyceridsynthese an.
    Weiterhin viel Erfolg!
    „Der Organismus verfügt über keine speziellen Abbauwege und Regulationsmechanismen
    für Fructose. Der schnelle metabolische Abbau kann zu einer Verarmung des Organismus an ATP führen, was in weiterer Folge zu einer verstärkten Harnsäurebildung führt. Eine verstärkte Milchsäurebildung, die zu einer metabolischen Acidose führen kann, wurde vielfach als Folge des Fructoseabbaus beobachtet. Muskelzellen fehlt das für die Phosphorylierung der Fructose notwendige Enzym Fructokinase. Daher ist Fructose als direkter Energielieferant für den Muskel ungeeignet. (…) Auch die Biosynthese von Triglyceriden wird durch Fructose stimuliert. Mit Proteinen reagiert Fructose zu glykosylierten Proteinen etwa fünfmal so schnell wie Glucose.“ (Lehrbuch Lebensmittelchemie und Ernährung, 2011, Ebermann, Elmadfa)

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